Interview mit Katharina Hager

Katharina Hager
 

Erzähl doch mal: Wie bist du eigentlich zum Töpfern gekommen?
Ich bin eigentlich aus einer inneren Unruhe heraus zum Töpfern gekommen. Mein Leben war damals sehr laut, sehr schnell und geprägt von Stress und einigen schweren Schicksalsschlägen. Ich hatte das Gefühl, ständig zu funktionieren, aber nie wirklich im Hier und Jetzt anzukommen. Durch das Arbeiten mit Ton habe ich zum ersten Mal wieder gelernt, bewusst zu fühlen, langsamer zu werden und einen Ort der Ruhe in mir selbst zu finden. Das Töpfern wurde für mich viel mehr als nur ein kreatives Hobby, es wurde ein Weg zurück zu mir, zu Ausgeglichenheit und innerem Frieden.

Erinnerst du dich noch an dein erstes selbstgetöpfertes Stück? Was war es?
Ja, absolut. Es war eine kleine handgebaute Vase aus selbsttrocknendem Ton. Wenn ich heute daran zurückdenke, muss ich lächeln, weil ich mich damals wirklich wie eine Künstlerin gefühlt habe. Dieses erste Stück war vielleicht nicht perfekt, aber es hat etwas in mir ausgelöst. Dieses Gefühl, mit den eigenen Händen etwas erschaffen zu können, das vorher nur eine Idee war.

Was war für dich am Anfang die größte Herausforderung beim Töpfern?
Die größte Herausforderung war definitiv, das Material wirklich verstehen zu lernen. Ton lehrt einen Geduld und Demut. Anfangs wollte ich oft nur ein bestimmtes Ergebnis erreichen, aber irgendwann habe ich verstanden, dass beim Töpfern der Weg selbst das Wichtigste ist. Ich musste lernen, Fehler anzunehmen und Frieden im Unperfekten zu finden. Genau darin lag letztendlich auch die größte persönliche Entwicklung für mich.

Gibt es einen Tipp, den du absoluten Anfängern unbedingt mitgeben würdest?
Habt Geduld mit euch selbst. Versucht nicht, sofort etwas Perfektes erschaffen zu wollen. Seid dankbar für den Moment und für alles, was ihr während des Prozesses fühlt und lernt, ganz unabhängig vom Ergebnis. Ich glaube, den eigenen Stil findet man nicht durchs krampfhafte Suchen, sondern indem man sich treiben lässt und dem Prozess vertraut. Oft entstehen die schönsten Dinge genau dann, wenn man loslässt.

Woran erkennt man deine Keramik oder deinen Stil sofort?
Meine Arbeiten erkennt man wahrscheinlich am ehesten an ihren natürlichen Formen und den erdigen Farben. Ich arbeite oft mit unglasierten oder nur sehr schlicht glasierten Oberflächen, weil ich die Ursprünglichkeit des Tons liebe. Viele meiner Stücke sind groß, schwer und wirken fast wie aus der Natur gewachsen. Ich mag keine strengen geraden Linien. Ich lasse meine Arbeiten lieber im Fluss entstehen, organisch und frei.

Woher holst du dir Inspiration für neue Ideen und Designs?
Die Natur ist definitiv meine größte Inspirationsquelle. Ich entdecke eigentlich überall Inspiration: in Strukturen, Formen, Landschaften oder kleinen alltäglichen Dingen. Mich fasziniert dieses Gefühl von Natürlichkeit und Bewegung. Deshalb versuche ich auch, mich von Perfektion und geraden Linien zu lösen und eher intuitiv zu arbeiten. Viele Ideen entstehen einfach im Prozess selbst.

Gibt es ein Werk oder Stück, auf das du besonders stolz bist? Warum?
Es gibt tatsächlich viele Stücke, die mir unglaublich viel bedeuten. Manchmal so viel, dass ich sie am liebsten gar nicht hergeben möchte. Jedes Werk trägt für mich eine bestimmte Stimmung oder einen besonderen Moment in sich. Besonders stolz bin ich auf ein großes Bild, an dem ich ungefähr vier Monate gearbeitet habe. Es war unglaublich aufwendig und ist mir immer wieder zerbrochen. Trotzdem habe ich nie losgelassen und immer weitergemacht. Dieses Werk hat mich vor allem Geduld und Ruhe gelehrt. Nicht aufzugeben, immer wieder neu anzufangen und an die eigene Idee zu glauben, war wahrscheinlich eine meiner größten Lektionen bisher. Als es am Ende endlich gelungen ist, war das ein ganz besonderer Moment für mich.

Welche Rolle spielen Fehler oder „Missgeschicke“ in deinem kreativen Prozess?
Eine sehr große Rolle. Für mich gehören Fehler ganz selbstverständlich zum kreativen Prozess dazu. Genauso wie im Leben selbst. Das Leben ist bunt, unperfekt und genau darin liegt oft seine größte Schönheit. Beim Töpfern wird einem das sehr bewusst. Viele sogenannte „Missgeschicke“ öffnen oft erst neue kreative Wege oder machen ein Stück einzigartig. Ich glaube, wenn man lernt, diese Momente anzunehmen, entsteht etwas viel Ehrlicheres und Lebendigeres.

Hast du eine Lieblingsmasse von Goerg & Schneider oder ein Material, mit dem du besonders gern arbeitest?
Ja, tatsächlich gleich mehrere. Ich liebe den Ton 579, ein dunkler Ton mit hohem Schamotteanteil. Er wirkt unglaublich rustikal, stabil und natürlich. Dazu mag ich seinen hellen Gegenpart 480 sehr gerne. Und mein absoluter Favorit bleibt der Paperclay 234, weil mit ihm meine gesamte Reise begonnen hat. Mit diesem Ton verbinde ich unglaublich viele Erinnerungen und Entwicklungsschritte.

Schnellfragerunde:
Drehscheibe oder Handaufbau? → Handaufbau

  • Heller oder dunkler Ton? → Dunkler Ton
  • Matte oder glänzende Glasuren? → Matte Glasuren
  • Kaffee oder Tee aus eigener Keramik? → Definitiv Tee
  • Lieblingswerkzeug? → Meine Hände


Wo kann man deine Keramik finden?
Gerne einfach mal auf meiner Seite vorbeischauen.

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